Sozusagen als Prolog zum Konzert vom Sonntag kann man bei unseren Freunden von der Mühle am Wildbach den Holzbildhauer Remo Meier bestaunen, wie er an seiner Waldohreule die letzten Feinheiten anbringt. Begonnen hat er am vergangenen Samstag.

Von der Hauptstrasse am Eingang des Rorbaser Restaurants Mühle am Wildbach zu den Tischen unten am Bach sind es 25 Stufen und ein Unterschied von 10 Grad. Es gibt kaum eine Zürcher Gartenwirtschaft mit einer besseren natürlichen Klimaanlage. Neben dem Wasser kühlen auch die riesigen Bäume. Die Mühle am Wildbach wird so zur perfekten Sommerbeiz.

An Samstagabend gibt es auf der Speisekarte ein Sonderangebot: Serviert wird ein Holzfällersteak – passend zum Anlass. Unter dem Titel Skulptur und Kulinarik zeigt Remo Meier, wie aus einem Rundholzstamm die Skulptur einer Waldohreule entsteht. Was er bietet, ist eine «Performance» (wie es heute heisst) auf hohem Niveau – auch athletisch. Die Einblicke, die von der «Schauschnitzerei» geboten werden, sind vielfältig und eindrücklich.

Der Lärm der Kettensäge begleitet den Aperitif, Hammer und Schnitzeisen lassen nach einer weiteren Stunde erahnen, was da entstehen soll. Beim Dessert ist die Skulptur bereit für die Feinarbeit, die man am nächsten Samstag um 16 Uhr fortgesetzt wird.

Der Berner Saxofonist und Bassklarinettist Jan Galega Brönnimann trat schon mehrmals in Rorbas-Freienstein auf. Zuletzt im Trio mit den Afrikanern Ali Keita (Balafon) und Moussa Cissokho (Kora). Am Sonntag, 16. August um 19 Uhr spielt er im Hof des Kino Freienstein im Duo mit der Harfenistin Maja Taube.

Nach der Arbeit in Trios mit den Virtuosen auf afrikanischen Instrumenten spielst du nun mit einer klassischen, deutschen Harfenistin. Ist das nicht ein Gegensatz?

Ich sehe keine Gegensätze. Ich spiele so, wie ich spiele, mache meine Musik und bleibe mir treu. Doch manchmal ist mein Gegenüber etwas feiner, manchmal lauter, manchmal punkiger. Diesmal sind es eher intime, schöne Klänge. Mit anderen Bands war die Musik vielleicht aufwühlender, ging sie mehr gegen den Strich.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Maja Taube zustande gekommen?

Wir wurden zusammengewürfelt, wenn man das so nennen will. Ein Veranstalter in Ravensburg hatte die Idee, etwas Elektronik mit zwei improvisierenden Instrumenten zusammenzusbringen, die nicht so gängig sind. Er wusste, dass es eine dafür begabte und geeignete Harfenistin gab, und er kannte mich, weil ich bereits mehrmals bei ihm gespielt hatte. Wir sind dann zusammen mit einer dritten, für die Elektronik zuständigen Person aufgetreten, ohne zuvor geprobt zu haben. Danach kamen wir zum Schluss, dass es zwischen Maya und mir besser funkte und wir deshalb zu zweit weitermachen sollten.

Dann seid ihr durchgestartet….

Nein, es begann eine lose Zusammenarbeit mit einem oder zwei Auftritten pro Jahr, wir kamen uns immer näher, es wurde alles intensiver. Bald es gab es eine Tournee und auch eine CD . Wir merkten, dass sich die beiden Instrumente unheimlich gut miteinander vermischten und wir uns gegenseitig beflügeln. Wir durften bald feststellen, dass das Publikum die Musik als sehr schön und interessant empfand, vielleicht auch etwas ungewohnt, weil es eine neue Kombination von Instrumenten ist. 

Im Gegensatz zu deinen afrikanischen Bands gibt es im Duo keine Perkussion. Was bedeutet das für euer Spiel?

Wenn ich ein Schlagzeug und einen Bass neben mir habe, muss ich keine Basslinien und nie perkussiv spielen. Das ist im Duo anders. Es ist eine logische Weiterentwicklung auf meinem Weg. Früher spielte ich in grösseren Bands, dann mit Ali und Moussa in Trios, und jetzt bin ich auch auf den Reiz der Duos gestossen. Mit Maja, aber auch schon mit dem Bandoneonisten Michael Zisman. Im Duo spielen beide sowohl melodisch als auch perkussiv, wie rhythmisch. Das hat aber auch zur Folge, dass wir mehr Nuancen aus unserem Spiel herausholen, unsere Instrumente noch mehr ausloten können.  Die Musik wird für mich so noch spannender, aber auch zerbrechlicher. Das Duo erlaubt keine Aussetzer.

Wie entstehen eure Stücke?

Wir bringen uns beide ein. Es gibt Titel von mir, die ich schon mit anderen Gruppen gespielt habe, es gibt solche von Maja, die sie schon früher gespielt hat. Und dann gibt es solche, die wir gemeinsam neu entwickelt haben.

Eure Musik entwickelt sich ja sicher im Lauf der Konzerte. Wie oft war das schon der Fall?

Vor zwei Jahren waren wir zusammen während einer Woche in Nürnberg. Da gaben wir sieben Konzerte mit jeweils zehn Stücken. So kamen 70 Aufnahmen zustande, aus denen wir die besten auswählten und eine CD machten. Wir begriffen, dass wir eine schöne Auswahl an Material hatten, und sicher hat uns die Woche auch noch nähergebracht. Es folgten zwei Tourneen im Bündnerland mit je fünf Konzerten, und eine Woche in St. Moritz, während der wir intensiv proben konnten.

Was ist für dich das Besondere an der Harfe?

Ich gebe zu, dass ich gegenüber der Harfe immer gewisse Vorurteile hatte, sie etwas kitschig fand. Doch mit Maja stellte ich fest: Harfe kann sehr schön, aber auch rhythmisch, spannend und energetisch sein. Nichts von Kitsch und esoterisch, doch das liegt auch an der Art, mit der Maja spielt. Sie ist eine eigene Stimme auf der Harfe. Als sie mir erzählte, wie sie das Ganze angeht, war ich an Moussa Cissokhos Kora aus dem Senegal von unserer JMO-Band erinnert. Deshalb passen einige Stücke, die ich mit Moussa spiele, auch für Maja. Kora und Harfe sind beides Saiteninstrumente, die sich sehr ähnlich sind. Auch umgekehrt ist es möglich: Moussa hatte für seine andere Band ein Stück von Maja übernommen. Das Resultat war für mich überraschend und gut.

Wie hast du unser Publikum in Erinnerung?

Als aufmerksam und kulturaffin – und eher älter. Das ist nicht abschätzig gemeint. Ein älteres Publikum ist auch treuer. Und diese Treue machte für uns viele Konzerte überhaupt erst möglich.

Neuer Name, neues Logo, neuer Veranstaltungsort. Fast alles ist neu bei der Veranstaltergruppe, die in den letzten 13 Jahren die «Champions League» der Weltmusik nach Rorbas brachte. Weil im Café Rorboz nach einem Gerantenwechsel der Saal nicht mehr zur Verfügung steht, mussten wir uns nach einem neuen Ort umsehen und fanden eine neue Heimat im neuen Kino Freienstein. Ein phantastischer Ort mit perfekter Akustik, sowohl im Kinosaal als auch draussen im Hof. Der Umzug führte zur Suche nach einem neuen Namen. Statt Kultur-Rorboz heisst es jetzt kultuRorbas. Das neue Logo mit dem fliegenden Vogel berichtet vom geglückten Umzug von Rorbas über die Brücke nach Freienstein. Der Sitz bleibt in Rorbas, wo auch in diesem Jahr am 26. Dezember ein Konzert in der Kirche durchgeführt wird. Und wo die Gemeinde uns weiterhin grosszügig unterstützt.

Der Schritt in eine neue Ära vollzog sich mit den letzten zwei Konzerten. Am 11. April feierten wir mit einem Doppelkonzert mit den Sarden Mauro Palmas und Giacomo Vardeu sowie der Kenianerin Claudia Masika den 80. Geburtstag von Hugo Faas, den wohl besten Kenner der Weltmusik in der Schweiz. Dank ihm kamen Künstler und Bands nach Rorbas, die in ihrer Sparte zu den besten der Welt gehören, mehrfach ausgezeichnet wurden und auch mal vor ein paar tausend Zuschauern spielten. Für ihn war der Zeitpunkt gekommen, vom Programm-Verantwortlichen in den Status eines Mentors zu wechseln.

Am vergangenen Sonntag begeisterte das Blues Acoustic Trio die 80 Zuschauerinnen und Zuschauer an einem perfekten Sommerabend im Innenhof des Kinos. Hugo Faas‘ Nachfolger als Programm-Verantwortlicher, Oliver Ott, selbst Musiker in mehreren Bands, feierte einen beeindruckenden Einstand. Walter Baumgartner, der als bester Blues-Solist ausgezeichnete Mundharmonika-Virtuose, bat ihn auf die Bühne, um ein Stück mit ihnen zu spielen. Er bestand die Prüfung bravourös und erhielt Sonderapplaus. Es war ein starkes Zeichen: Auch Faas‘ Nachfolger versteht etwas von Musik.

Mit ihm, so das Versprechen, bleiben die hohen Ansprüche bestehen. Am Sonntag, 16. August, lässt sich das überprüfen, wenn der Bass-Klarinettist Jan Brönnimann, der mit afrikanischen Gruppen schon zweimal bei uns spielte, mit der klassischen Harfenistin Maja Taube für sphärische Klänge sorgen wird.

Wenn erstmals in der zwölfjährigen Geschichte der Konzertserie von Kultur-Rorboz ein Doppelkonzert mit Nachtessen in der Pause auf dem Programm stand, hatte das einen guten Grund: Hugo Faas, der in den letzten 33 Jahren das untere Tösstal zum Hotspot der «Worldmusic» in der Schweiz machte, feierte am Samstag, den 11. April, im neues Kino Rorbas seinen 80. Geburtstag. Hugo Faas hatte schon eine 25jährige Karriere als Konzertveranstalter und Manager von Andreas Vollenweider hinter sich, als 1993 in Rorbas zum Kulturbeauftragten der Gemeinde Rorbas ernannt wurde. Dank seinen Beziehungen in diesem Bereich war es möglich, ein hochkarätiges Programm auf die Beine zu stellen, wie es sonst nur in grösseren Städten stattfand.

2013 ging das Kulturcafé Rorboz in Rorbas in neue Hände über. Die neue Besitzerin wollte und konnte das Kulturprogramm nicht weiterführen. Deshalb ergriff Hugo Faas die Initiative mit dem Ziel, das kulturelle Leben in der Gemeinde im Allgemeinen und das Café Rorboz als Kulturcafé im Besonderen zu erhalten. Zusammen mit ein paar Gleichgesinnten gründete er den Verein Kultur-Rorboz und schuf eine Konzertserie mit über 100 Gruppen aus über 50 Ländern.

Da er unter anderem als Organisator des «Lucerne Festival in den Strassen» bis im letzten Herbst noch immer professionell in dieser Sparte tätig war, blieb er gut vernetzt. So ist es der Gruppe möglich, ein qualitativ hochstehendes Programm zu präsentieren, mit dem andernorts grosse Konzertsäle gefüllt werden.

Nach einem weiteren Pächterwechsel fand Ende April 2025 das letzte Konzert im Café Rorboz statt. Es war ein Abschied mit Tränen, aber auch eine neue Chance und seit ein paar Tagen mit neuem Namen: kultuRorbas. Als Ersatz boten sich Anne-Catherine Lang und ihr neues Kono Freienstein an. Ein wunderbarer Kinsosaal in einem Fabrikgebäude mithervorragender Akustik und perfekter Infrastruktur.